Worgi der schönste Name für den weiblichen Orgasmus

Ich, Worgi, bin so alt wie die Menschheit – wahrscheinlich sogar noch älter. Meine eigentliche Aufgabe ist es, die Frauen zur Fortpflanzung zu verlocken, aber ich bin auch sehr gut darin sie in eine beruhigte, befriedigte und allgemeine Wohlfühlstimmung zu versetzen. Wenn sie mich längere Zeit nicht zu spüren bekommen, dann werden sie unruhig, zickig oder sogar krank.

Es gab eine (lange) Zeit in der war ich eine Alltagsangelegenheit – beim Arzt! Man nannte mich damals „hysterische Krise“ oder fachlich richtig „hysterischer Paroxismus“ und ich dachte mir:

Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Worgi heiß!

Aber der Reihe nach:
Wie oben gesagt, brauchen die Frauen mich, um sich wohl zu fühlen und das nicht zu selten! Das haben die Ärzte im alten Ägypten auch schon erkannt und ihr griechischer Kollege Hippokrates (460 – 370 BC) hat diese Erkenntnisse übernommen.

Die alten Mediziner hatten zwar die Folgen richtig erkannt, aber die angenommenen Ursachen waren lächerlich:
Hippokrates der „Vater der modernen Medizin“ und seine Kollegen glaubten doch tatsächlich, dass die Gebärmutter, wenn sie nicht ausreichend mit Samen gefüttert wird, hungrig im Körper der Frau umher wandert, der Frau die unterschiedlichsten Beschwerden macht und sich schließlich in ihrem Gehirn festbeisst.

Weil die Gebärmutter in altgriechisch Hystera hieß, nannte er das Problem Hysterie.

Hysterie war eine Sammeldiagnose für fast alles:

  • Frauenleiden

                    alle Leiden der Geschlechtsorgane von A wie Ausfluss über Infektionen und Regelbeschwerden bis Z wie Zysten

  • Schlaflosigkeit
  • Melancholie
  • Reizbarkeit und Zankhaftigkeit
  • Panikattacken
  • Blutarmut / Kraftlosigkeit

 

Später, als die Menschen prüder wurden, kamen noch dazu:

  • Sexuelle Phantasien

Das Kopfkino war sehr lange vor dem Filmkino da.

  • Scheidenfeuchtigkeit

Wohl gemerkt Feuchtigkeit – nicht etwa Trockenheit!

  • Drang zur Selbstbefriedigung

Alles „da unten rum“ war sündhaft.

  • Im 19. Jahrhundert dann noch „politische Wahnideen“ – solche Ideen waren z.B.
    • Frauen sollen wählen dürfen
    • zur Uni gehen und studieren können
    • die Vormundschaft für die eigenen Kinder übernehmen.

Alles hysterisches Zeugs. Da zeigt sich doch, dass die Kerle Wahnvorstellungen hatten!

Ledigen Frauen wurde als Heilmittel eine Heirat empfohlen.

Den Ehemännern hysterischer Frauen wurde angeraten, sich mit ihr „heftig zu vereinen“. Doch der Ehestand bewirkte nicht immer Heilung. Oft verschlimmerten sich sogar die Leiden, weil die häufigste Verhütungsmethode war das „Aufpassen“.

Da war noch nicht einmal der schnelle Morgi  ganz in Erscheinung getreten, da war der Kerl schon wieder fort.

Bis ich mitgekriegt habe – da gibt´s was, da war die Show schon ganz ohne mich gelaufen.

Es gab aber auch eine wirksame Behandlung zur Linderung:

Die Massage der weiblichen Genitalien“
Diese Massage führte zu einem hysterischen Paroxismus

Kennzeichen:

  • heftige Krämpfe und Zuckungen am ganzen Körper
  • unartikulierte und teilweise fast Mitleid erregende Laute
  • Ausstoß von oft großen Mengen vaginaler Flüssigkeit

 

Der heutige Fachbegriff für dieses Ereignis wäre der multiple Orgasmus mit  weiblicher Ejakulation – Kurz: Worgi.

Ihr denkt euch vielleicht – Moment mal:   Yoni-Massage – vom Arzt ??

Ja, ja!! Als Sexualität galt damals nur Geschlechtsverkehr.
Sex = Geschlechtsverkehr = Penis eingeführt in Vagina. Die Massage war daher keine sexuelle Handlung und ein von Hand herbei geführter Orgasmus kein Orgasmus, sondern eben nur ein hysterischer Paroxismus.

Die Therapie war Therapie – und nicht Sex. In fast „kindlicher“ Unschuld.

Es gab keine Ängste …. und keinen Erfolgsdruck … zumindest nicht für die Patientin.

Das „Ausmaß“ der Orgasmen sprengte außerdem die Vorstellungskraft der Männer – die kannten ja nur Morgi. Ich sag´s euch Leute, das war ein Leben – keiner erkannte mich, keiner nannte mich sündhaft – da konnte ich mich wirklich austoben und die Mädels auch!!

Der römische Arzt Celsus (25 BC – 50 AD) entdeckte durch Obduktionen, dass die Hystera an ihrem Ort bleibt, aber die aufgestauten Säfte in ihr, den Körper vergiften. Er war überzeugt, dass die Säfte ins Gleichgewicht gebracht werden müssen.

Gut 150 Jahre später erkannte Galenenos von Pergamon, kurz Galen genannt, die Hysterie als eine Folge von sexueller Unterversorgung. Er beschrieb sehr detailliert die Vorgangsweise bei einer heilsamen Massage der weiblichen Genitalien mit feinen und süßen Ölen. Und er beschrieb den Ausstoß von „abgestandenem Samen“, der oft „trübe und in großer Menge“ war, wenn die Arbeit gut und sorgfältig gemacht wurde.

Großer Sprung in Zeit und Raum nach Salzburg im 16 Jht. wo Theophrastus Bompastus von Hohenheim lebte. Er ist bekannt als Paracelsus (1493 – 1591) und sein bekanntester Ausspruch war: „Alles ist Gift oder Medizin – auf die Dosis kommt es an“.

Zur Hysterie sagte er: „Die Krise dieser Krankheit ist charakterisiert mit Kontraktionen von Uterus und Vagina“. Ganz offensichtlich hat der Herr Doktor sehr fachgerecht und feinfühlig „Hand angelegt“.

Der Engländer William Harvey (1578 – 1657) wurde berühmt, weil er die Funktion des Herzschlages entdeckte. Er war zu seiner Zeit ein sehr geachteter Arzt und er bedauerte die Frauen „ob ihrer schrecklichen Leiden, verursacht durch sexuelle Entbehrung.“

Sein etwas jüngerer Kollege Thomas Sydenham  bezeichnete Hysterie als die zweithäufigste Krankheit nach „Fieber“. Fieber war damals alles was mit erhöhter Temperatut oder einer Entzündung einherging. „Kaum eine Frau ist gänzlich frei davon.“ Und: „Krankheit ist nichts anderes als ein Versuch des Körpers krankmachende Stoffe loszuwerden.“

Ihr spanischer Zeitgenosse Abraham Zacuto war nicht nur sehr fromm sondern auch besorgt : Gottesfuerchtige Aerzte mögen die delikate Handarbeit ausführen, wenn von der Hysterie befallenen Frauen ob ihrer Krankheit der Tod drohe“ . Die Massage war eine sehr bekömmliche Methode der Leidenslinderung und ….ein ermüdendes Handwerk.

manipulator

Erfindergeist war gefragt!

Der englisch Arzt Dr. George Taylor erfand 1869 den Manipulator. Das war ein mit Dampf(!)    betriebener Massagetisch auf dem die Damen bäuchlings Platz nahmen und sich ihre Yoni von dem in der Tischmitte platzierten Vibratorkopf massieren ließen. Das war ihnen wohl so sehr angenehm, dass Dr. Taylor warnte: „Die Patientinnen müssen beaufsichtigt werden, um übermäßige Anwendung (Overindulgence) zu vermeiden.“ Die antreibende Dampfmaschine war in einem Nebenraum installiert.

1883  war es dann so weit:
Dr. Joseph Mortimer Granville erfand den elektrischen Vibrator. Von nun an war die Entwicklung unaufhaltsam.

1890  wurde der Chattanooga Vibrator erstmals an die Arztpraxen ausgeliefert. Das war ein Hochleistungsgerät mit sehr präziser Positionierung seines Vibratorkopfes.

1903 kam das „Victor Kombinations Vakuum- und Vibrationsmassagegerät“ auf den Markt. Fortschrittliche Ärzte hatten sogar Behandlungszimmer für mehrere Patientinnen. Aber die Entwicklung ging weiter, die Stückzahlen der Vibratoren stiegen, die Preise dafür sanken. Bald gab es für das Honorar von einigen Sitzungen in der Arztpraxis einen eigenen Vibrator für zu Hause, wie z.B. den White Cross von 1910.

 

Die Wissenschaft schritt fort und es kam endlich an den Tag:

(1856 – 1939)
Dr. Siegmund Freud:
„Ein hysterischer Paroxismus ist eine Art Orgasmus.“

Freud erklärte die Dinge so klar, dass es keinen Zweifel mehr gab und es kam noch schlimmer:
In den Kinos wurden die ersten Pornos gezeigt. Der Vibrator und seine Wirkung war darin ein Megastar. Niemand traute sich ab da an offen zur Anwendung von Vibratoren zu stehen. Für Ärzte war es absolut unmöglich und undenkbar, weiterhin Beckenbodenmassagen an ihren Patientinnen durchzuführen.

Und aus war´s!

Der Vibrator erholte sich dann im Zuge der Sexwelle und der sexuellen Revolution der 1970er Jahre wieder, aber ein Haushaltsgerät, dass man wie einstmals stolz seinen Bekannten zeigt, ist er nicht mehr geworden.

Die Jahrtausende lang bewährte „Handwerkskunst“ der Ärzte ist heute jedoch für Ärzte und Pflegepersonal ein absolutes Tabu.

 

Zum Schluss noch ein kurioses Detail:

Es war für Ärzte unschicklich bei ihrer Arbeit die Geschlechtsteile einer Frau anzusehen, das galt übrigens auch bei Untersuchungen. Sie sollten statt dessen ihren Blick „ins Leere“ oder „zur Zimmerdecke richten.“

Heute gilt z.B. beim Tabledance: Nur schauen – nicht anfassen!

Für die ehrwürdigen Herrn Dottores galt: Nur anfassen – nicht schauen!